Große Trauer im Ortsverband Freising.
Josef „Sepp“ Demmel hat Generationen von Freisinger THW-lern und den Ortsverband über mehr als 70 Jahre aktiv geprägt wie kaum ein anderer neben ihm. Nun ist er mit 101 Jahren verstorben. Im Ortsverband herrscht große Trauer über den Verlust eines Vorbilds im THW, das weit über die Landkreisgrenzen hinaus gewirkt hat.
Am 5. Juni 1925, dem Jahr, in dem Paul von Hindenburg zum Reichskanzler gewählt wird und das Genfer Protokoll zur Ächtung von chemischen und biologischen Waffen in Kraft tritt, wird Josef Demmel in Freising geboren. In seiner Domstadt, die ihm sein Leben lang Heimat bleiben sollte, schloss er am 8. Juni 2026 nun für immer seine Augen.
Als Kriegsteilnehmer, der die Brutalität des zweiten Weltkriegs am eigenen Leib und die verheerenden Kriegszerstörungen selbst erleben musste, war ihm das Thema Zivilschutz sehr wichtig. Sepp Demmel trat am 06.08.1953 im Alter von 28 Jahren dem erst wenige Monate zuvor gegründeten Ortsverband Freising als „Helfer No. 46“ bei und ist damit einer unserer Gründerväter. Seine Aufnahme in das THW Freising war damals nur möglich, weil Max Besl, Landwirt zu Freising und Michael Hoisl, Schlosser ebenda, für Sepp, seinen einwandfreien Leumund und seine untadelige Gesinnung bürgten.
Durch seinen Beruf als Fernmeldetechniker der damaligen Deutschen Post lag ihm das praktische Arbeiten und er engagierte sich früh im Instandsetzungsbereich und hier vor allem im Bereich der Elektroversorgung. Noch in hohem Alter schoss er mit den Steigeisen schneller den hölzernen Strommast hoch, als es jede deutlich jüngere Einsatzkraft auch nur im Ansatz schaffen könnte.
Bereits im Juli 1954 konnte Sepp Demmel zu seinem ersten Lehrgang, „Bau von Hochspannungs-Freileitungen“, fahren. Dieser Lehrgang fand in der legendären THW-schule Marienthal im Ahrtal statt. Was damals die wenigsten wussten: Die Villa eines Bonner Architekten, die ab 1953 als Bundesschule des THW genutzt wurde, war eigentlich nicht mehr als die Tarnung für den dortigen Regierungsbunker, der streng geheim im Berg an der Ahr lag. Dieser Lehrgang sollte aber nur der erste von unzähligen weiteren sein, die er während seiner aktiven Zeit besuchte. Seine stete Bereitschaft sich weiterzubilden und auf Lehrgänge zu gehen, zog sich durch seine ganze Dienstzeit.
1960 besuchte Sepp Demmel den 21. Lehrgang für den Bergungsdienst in Wolfratshausen – natürlich das in der Anmeldebestätigung verlangte Handtuch mitführend. Spätestens in diesem Lehrgang und damit sehr früh erkannte er, dass eine richtige Vortragstechnik die Grundlage erfolgreicher Ausbildung ist. In seiner Abschlussbewertung des Lehrgangs schrieb er: „Der Lehrgang war sehr interessant und lehrreich. Erstmals erhielt man hier eine Anweisung über Vortragstechnik. Diese Sparte halte ich für ein äußert wichtiges Thema, da wir vielleicht in Zukunft mit Leuten rechnen müssen, die uns in dieser Beziehung kritischer gegenüberstehen als unsere Kameraden jetzt“. Schon damals, als die große Masse noch der Meinung war, der Bürger müsse glücklich sein, der Bundesrepublik Deutschland dienen zu dürfen, hatte er erkannt, was das THW nach dem Wandel von der Verpflichteten- zur Freiwilligenorganisation stark beschäftigen würde. Hätte man 1960 auf ihn gehört, dem THW wären vermutlich viele Probleme erspart geblieben.
Im gleichen Jahr absolvierte Josef Demmel erfolgreich den Zugführerlehrgang, dutzende weitere Lehrgänge sollten folgen. Im Ortsverband wirkte Josef Demmel über viele Jahre u. a. als Ausbildungsbeauftragter und prägte so nicht nur das Bild unzähliger Einsatzkräfte vom THW, sondern durch die hohe Leistungsfähigkeit der Einsatzkräfte auch das Bild des THW in der Öffentlichkeit. Unvergessen bleibt für alle, die sie erleben durften, seine Formalausbildung und es war noch jahrelang nachdem man sie erhalten hatte, selbstverständlich, beim Antreten zu Dienstbeginn der Größe nach geordnet zu stehen. Seine Ausbildung in war streng, aber nie ungerecht. Seine ausgleichende Art half in manch schwieriger Zeit im Ortsverband und er war immer um Ausgleich bemüht. Unnötig zu sagen, dass er immer zur Stelle war, wenn ihn sein THW brauchte und er war sich dabei keiner Arbeit zu schade.
In seinen weit mehr als 50 Jahren aktivem Dienst im Ortsverband, während derer er bei hunderten Einsätzen in Stadt und Landkreis und oft auch darüber hinaus Menmatschenleben retten und Schaden von den Bürgern abwenden konnte, diente er unter allen bisher Ortsbeauftragte des OV Freising, trug maßgeblich zum Bau des damals in der Presse als „schönstes THW-Heim in Bayern“ tituliert und am Sondermüllerweg gelegen bei. Seinen aktiven Dienst beendete er 2005, nachdem er es sich damals nicht hatte nehmen lassen, beim Bau der THW-Behelfsbrücke über die Isar, die den Übergang für Fußgänger und Radfahrer während der Sanierung der alten Brücke ermöglichte, im stolzen Alter von fast 80 Jahren, an mehreren Tagen aktiv Hand anzulegen und mitzubauen. Etwas, von dem er noch im hohen Alter erzählte. Ebenso wie von seiner Teilnahme am THW-Bundeswettkampf in Mannheim 1989 gemeinsam mit der THW-Jugend.
„Für mich ganz persönlich, aber ich bin mir sicher für alle im THW, war Sepp ein großes Vorbild. Ich habe mir immer gewünscht, nur etwas von seinem Großmut, seiner Kameradschaftlichkeit und seiner Fairness zu haben. Unrecht? Das war ihm stets zuwider. Den Blatzheim alleine maßregeln zu lassen, weil er einen MKW für den Luftschutzhilfsdienst in Freising übernommen hatte? Das war mit ihm nicht zu machen! Und so forderte er 1961 den Landesverband in sehr deutlichen Worten auf, wenn, dann doch beide zu maßregeln. Schließlich wollte er doch mit dem MKW die Ausbildung weitertreiben! Dieser Gerechtigkeitssinn, die Bereitschaft, für seine Überzeugung einzustehen und seinen Weg geradlinig zu gehen, diese Eigenschaften haben nur ganz wenige Menschen.“ so Ortsbeauftragter Michael Wüst in seinem Nachruf.
Das sein Weg immer der richtige war, dass seine Leistungen und die Aufbauarbeit im Ortsverband und für das THW allgemein anerkannt wurden zeigt, dass es in seiner aktiven Zeit im THW keine Ehrung mehr gab, die man ihm noch hätte verleihen können:
- 1960 das THW-Helferzeichen in Gold
- 1973 das THW-Helferzeichen in Gold mit Kranz
- 1978 das THW-Ehrenzeichen in Silber
- 1985 das THW-Ehrenzeichen in Gold
- 2013 die eigens für ihn kreierte Ehrenurkunde für 60-jährige und
- 2023 die für 70-jährige ehrenamtliche Tätigkeit im THW die heute stolz im Ortsverband hängt.
Zu seinem 80. Geburtstag lud Josef Demmel zu einem großen Fest in den Ortsverband ein, anlässlich seines 90. Geburtstags richteten Ortsverband und Helfervereinigung für ihn einen Empfang im Marstall des Landratsamts aus. Und auch zu seinem 100. Geburtstag im Juni 2025 besuchte ihn eine Abordnung seiner Freunde und Wegbegleiter aus dem THW Freising.
„Sepp, Du warst für uns alle immer ein leuchtendes Beispiel ehrenamtlichen Engagements und für mich persönlich mein absolutes Vorbild im THW. Zu wissen, dass Du nie wieder in Deinen OV kommen wirst, lässt mich tieftraurig zurück“, so Wüst weiter. „Sepp, wir werden Dich nie vergessen und Dir immer ein ehrendes Andenken bewahren. Ruhe in Frieden.“.
Zum Zeichen der Trauer um ihr Gründungsmitglied und gleichzeitig zum sichtbaren Andenken an Josef „Sepp“ Demmel werden die Fahrzeuge des THW Freising mit Trauerflor versehen fahren.
Josef „Sepp“ Demmel (2005)



